aber mit Augenmaß
Die finanzielle Lage der Stadt Ditzingen hat sich weiter deutlich verschärft. Der Haushalt 2026 wurde vom Regierungspräsidium zwar genehmigt, jedoch unter strengen Auflagen – insbesondere mit der Maßgabe ab 2027 keine neuen Kredite mehr aufzunehmen. Damit wird der finanzielle Handlungsspielraum der Stadt zusätzlich eingeschränkt.
Besonders sichtbar wird die Lage der Stadt bei der Gewerbesteuer: Für 2025 waren Einnahmen von 40 Millionen Euro eingeplant, tatsächlich lagen sie nur bei 15,2 Millionen Euro. Gleichzeitig stieg das Haushaltsdefizit von ursprünglich geplanten 8,7 Millionen Euro auf 17,7 Millionen Euro an.
Diese Entwicklung zeigt vor allem eines: Haushaltskonsolidierung ist keine politische Wunschvorstellung mehr, sondern dringend notwendig, damit Ditzingen auch in Zukunft handlungsfähig bleibt.
Die Ursachen für die schwierige Haushaltslage sind vielfältig. Die wirtschaftliche Lage ist angespannt, dadurch verringern sich die Einnahmen durch die Gewerbesteuer, gleichzeitig steigen die Kosten in nahezu allen Bereichen – von Bauprojekten über Energie bis hin zu sozialen Aufgaben. Hinzu kommt ein strukturelles Problem des kommunalen Finanzausgleichs (FAG): Städte wie Ditzingen, die in wirtschaftlich starken Jahren hohe Gewerbesteuereinnahmen hatten, müssen zeitversetzt hohe Umlagen und Abgaben leisten. Wenn die Einnahmen dann plötzlich einbrechen, wirken diese Verpflichtungen jedoch weiter nach – und verschärfen die Situation zusätzlich.
Auch die Ergebnisse des Zensus treffen Ditzingen hart. Laut Zensus soll die Stadt plötzlich rund 2500 Einwohner weniger haben als bislang angenommen. Das sorgt nicht nur für erhebliche Zweifel an der Berechnung, sondern hat auch direkte finanzielle Folgen. Denn viele Zuschüsse und Finanzzuweisungen orientieren sich an der amtlichen Einwohnerzahl. Weniger Einwohner bedeuten deshalb auch weniger Geld für die Kommune.
Gleichzeitig wurde in Ditzingen bereits 2025 begonnen, konsequent gegenzusteuern. In verschiedenen Bereichen konnten Ausgaben reduziert und Gebühren angepasst werden. Doch der eingeschlagene Weg muss weitergeführt werden. Verwaltung und Gemeinderat beschäftigen sich mit Hilfe eines externen Beratungsunternehmens intensiv mit einem umfassenden Konsolidierungsprozess. Als Ziel wurde festgelegt, dass bis 2029 dauerhaft jährlich 4,6 Millionen Euro eingespart oder zusätzlich eingenommen werden sollen.
Dabei wird klar: Die notwendigen Einsparungen können nicht auf einzelne Bereiche beschränkt bleiben. Vielmehr werden nahezu alle Aufgabenfelder einen Beitrag leisten müssen. Die Belastungen sollen dabei möglichst gleichmäßig verteilt werden, damit die Konsolidierung solidarisch und mit Augenmaß erfolgt.
Die hohen Standards und Förderungen, die in wirtschaftlich starken Jahren aufgebaut wurden, sind nicht mehr überall in der bisherigen Breite finanzierbar. Die Diskussion betrifft inzwischen nahezu alle Bereiche – von Bibliotheken über Vereinsförderung, Museum, Musikschule und Hallenbad bis hin zu Sozialleistungen und Verwaltungsstrukturen. Auch Standards bei Bauprojekten werden überprüft und angepasst werden müssen.
Trotzdem halten wir es für falsch, funktionierende Strukturen vorschnell komplett abzubauen. Wenn Öffnungszeiten reduziert, Angebote verkleinert oder Zuschüsse angepasst werden müssen, sollte dies möglichst so geschehen, dass die Grundlagen erhalten bleiben. Was heute vielleicht nur in kleinerem Umfang weitergeführt werden kann, kann in besseren Zeiten auch wieder wachsen. Einmal zerstörte Strukturen lassen sich dagegen später oft nicht mehr aufbauen.
Aus unserer Sicht braucht es jetzt auch den Mut zu positiven Veränderungen. Ein Beispiel ist die geplante Parkraumbewirtschaftung mit Bewohnerparken und Parkgebühren. Kostenloser Parkraum ist in zentralen Lagen längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Gleichzeitig kann eine gerechtere Steuerung nicht nur Einnahmen schaffen, sondern auch helfen, Verkehr besser zu lenken.
Auch die Windkraft gehört für uns zu den wichtigen Zukunftsthemen. Die Verpachtung von Flächen kann langfristig Einnahmen schaffen und gleichzeitig einen Beitrag zur Energiewende leisten. Solche Entscheidungen sind nicht immer bequem – sie eröffnen aber Handlungsspielräume, damit wichtige Angebote in der Stadt erhalten bleiben können.
Verlockend erscheint es manchen, dass Bürgerinnen und Bürger im Ehrenamt künftig Aufgaben übernehmen könnten, die wegzufallen drohen. Ehrenamt ist für Ditzingen von unschätzbarem Wert – in Vereinen, sozialen Angeboten, Kultur und Nachbarschaftshilfe. Es kann jedoch hauptamtliche Strukturen nicht dauerhaft ersetzen. Denn Ehrenamt braucht Verlässlichkeit, Räume, Koordination und oft auch professionelle Begleitung. Viele Menschen engagieren sich bereits neben Beruf und Familie an ihrer Belastungsgrenze. Wenn immer mehr Aufgaben dauerhaft auf Freiwillige übertragen werden, droht Überforderung statt Entlastung. Außerdem gibt es Bereiche wie Schulsozialarbeit, Jugendarbeit oder soziale Betreuung, die dauerhaft fachliche und verlässliche Strukturen benötigen.
Die kommenden Wochen und Monate werden deshalb nicht einfach. Aber sie bieten auch die Chance, Ditzingen neu aufzustellen: finanziell solider, effizienter und gleichzeitig zukunftsfähig. Entscheidend wird sein, dass wir nicht nur sparen, sondern klug priorisieren – und den Mut haben, neue Wege zu gehen.
Simone Rathfelder für die Fraktion BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN Ditzingen.